Kommunen in Transition Grafik Tutzinger Transitions-Tage 2026
Tutzinger Transitionstage

Tutzinger Transitions-Tage: Bürgerbeteiligung, Genossenschaften und der Beitrag der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Visualisierung zentraler Themen und Ergebnisse: Kommunen als lebendige Netzwerke aus Verwaltung, Bürgerinnen und Bürgern, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Alt-Text: Grafische Visualisierung mit dem Titel Kommunen in Transition zu kommunalen Akteuren, Finanzierung, Politik, Methoden und Innovation.
Visualisierung zentraler Themen und Ergebnisse: Kommunen als lebendige Netzwerke aus Verwaltung, Bürgerinnen und Bürgern, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

 


Kommunen in Transition:

Warum Wandel vor Ort beginnt

Wie gelingt Transformation auf kommunaler Ebene? Wie kommen gute Ideen schneller in die Umsetzung? Und welche Rolle spielen Bürgerinnen und Bürger, Kreativwirtschaft, Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft dabei?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt der 1. Tutzinger Transitions-Tage 2026 unter dem Titel „Innovative Ansätze für die kommunale Ebene“, die vom 24. bis 26. Juni 2026 in der Akademie für Politische Bildung in Tutzingstattfanden. Entwickelt wurde das Format von joinTransition rund um Nick Tewes – mit dem Ziel, Menschen zusammenzubringen, die kommunale Transformation nicht nur diskutieren, sondern konkret voranbringen wollen.

Schon der Ort selbst setzte den passenden Rahmen: die Akademie in Tutzing, direkt am Starnberger See, mit weitem Blick und einer Atmosphäre, die Offenheit, Konzentration und gemeinsames Nachdenken möglich machte.

Transformation braucht Räume für Verbindung

Besonders wertvoll war für mich die Zusammensetzung des Plenums. Die Teilnehmenden kamen aus ganz unterschiedlichen Bereichen: Kommunalpolitik, Verwaltung, Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Finanzierung, Stiftungen, Energieinitiativen, Kreativwirtschaft und Transformationsexpertise.

Genau diese Mischung machte die Tage so interessant. Denn kommunale Transition ist keine Aufgabe eines einzelnen Ressorts. Sie entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen und aus einzelnen Initiativen ein gemeinsames Verständnis für Handlungsmöglichkeiten wächst.

Die Visualisierung „Kommunen in Transition“ brachte diesen Gedanken sehr gut auf den Punkt: Kommune wurde darin nicht nur als Verwaltungseinheit verstanden, sondern als lebendiger Organismus. Schulen, Vereine, Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Verwaltung, Wissenschaft, Start-ups, Stiftungen und zivilgesellschaftliche Initiativen bilden gemeinsam ein Netzwerk, in dem Veränderung möglich wird.

Bürgerenergie als Beispiel für gemeinsames Finanzieren

Besonders interessant war für mich das Thema „Gemeinsam finanzieren“ am Beispiel der BürgerEnergie Tutzing.

Hier wurde sichtbar, wie genossenschaftliches Engagement dazu beitragen kann, die Energiewende von Bürgerseite aus schneller in die Realisierung zu bringen. Bürgerinnen und Bürger werden nicht nur als Betroffene oder Konsumenten verstanden, sondern als Mitgestalterinnen und Mitgestalter. Sie übernehmen Verantwortung, bringen Kapital, Vertrauen und lokale Verankerung ein – und machen dadurch Projekte möglich, die sonst oft an Zuständigkeiten, Finanzierung oder Akzeptanz scheitern.

Diese Wiederentdeckung genossenschaftlicher Modelle fand sich in mehreren Beiträgen wieder. Gerade für kommunale Transformationsprozesse liegt darin ein großes Potenzial: Wenn Menschen vor Ort an konkreten Lösungen beteiligt sind, entsteht nicht nur Finanzierung, sondern auch Identifikation.

Oder anders gesagt: Bottom-up ist nicht nur ein Beteiligungsprinzip, sondern ein Beschleuniger für Umsetzung.

Positive Energie durch gemeinsames Engagement

Was mich an den Tagen besonders beeindruckt hat, war die positive Grundstimmung. Trotz der großen Herausforderungen – Klimawandel, Finanzierungslücken, Bürokratie, Fachkräftemangel, politische Unsicherheiten – war der Ton nicht resigniert, sondern zugewandt und lösungsorientiert.

Es ging nicht darum, die Komplexität kleinzureden. Im Gegenteil: Viele Beiträge zeigten sehr klar, wie anspruchsvoll kommunale Transformation ist. Aber es entstand ein gemeinsames Gefühl dafür, dass Wandel möglich wird, wenn Menschen Verantwortung teilen, voneinander lernen und vorhandene Ressourcen besser miteinander verbinden.

Diese Haltung war für mich einer der stärksten Eindrücke: Transition braucht nicht nur Konzepte, sondern Vertrauen, Netzwerke und den Mut, gemeinsam ins Tun zu kommen.

Der Beitrag der Kultur- und Kreativwirtschaft

Ich war bei den Tutzinger Transitions-Tagen als Vertreterin des BLVKK – Bayerischer Landesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft dabei und konnte unser Projekt der Materialbörse einbringen.

Die Materialbörse ist als Initiative für mehr Nachhaltigkeit in der Kultur entstanden. Ziel ist es, Materialien, Bühnenbilder, Requisiten und Ressourcen aus Kulturproduktion, Theater, Veranstaltungen und Kreativwirtschaft länger im Kreislauf zu halten. Statt Materialien nach einmaliger Nutzung zu entsorgen, sollen sie sichtbar, auffindbar und weiterverwendbar werden.

Damit ist die Materialbörse mehr als ein ökologisches Projekt. Sie zeigt beispielhaft, wie die Kultur- und Kreativwirtschaft zur kommunalen Transformation beitragen kann: durch Kreislaufwirtschaft, durch neue Formen der Kooperation, durch praktische Lösungen und durch die Fähigkeit, komplexe Prozesse verständlich und gestaltbar zu machen.

Gerade in Kommunen kann die Kreativwirtschaft eine wichtige Rolle spielen. Sie bringt Methodenkompetenz, Gestaltungskraft, Vermittlungsfähigkeit und neue Perspektiven ein. Sie kann helfen, Veränderungsprozesse sichtbar zu machen, Beteiligung zu gestalten und aus abstrakten Zielen konkrete, anschlussfähige Lösungen zu entwickeln.

Kreativwirtschaft frühzeitig einbinden

Ein schönes Beispiel dafür war auch der Austausch mit Caroline Hoffmann von der Kreativbehörde Regensburg. Am Beispiel des Labors der kreativen Köpfe wurde deutlich, wie wertvoll es ist, die Kultur- und Kreativwirtschaft frühzeitig in Veränderungsprozesse einzubinden.

Wenn Kreative nicht erst am Ende für Kommunikation oder Gestaltung hinzugezogen werden, sondern bereits in der Problemdefinition und Lösungsentwicklung beteiligt sind, entstehen oft bessere, positivere und langfristig auch kostensparende Lösungen.

Denn kreative Methoden helfen dabei, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen, neue Denkwege zu eröffnen und tragfähige Lösungen mit den Menschen vor Ort zu entwickeln.

Mein Fazit

Die 1. Tutzinger Transitions-Tage haben für mich deutlich gemacht: Kommunale Transformation braucht neue Allianzen. Sie braucht engagierte Menschen in Verwaltungen, mutige Bürgerinnen und Bürger, politische Unterstützung, kluge Finanzierungsmodelle, wissenschaftliche Impulse – und die Kultur- und Kreativwirtschaft als aktive Partnerin.

Wandel entsteht nicht allein durch Vorgaben von oben. Er entsteht dort, wo Menschen vor Ort Verantwortung übernehmen, gemeinsam lernen und konkrete Projekte auf den Weg bringen.

Für den BLVKK nehme ich viele Impulse mit: für die Weiterentwicklung der Materialbörse, für neue Kooperationen und für die Frage, wie sich die Kultur- und Kreativwirtschaft noch stärker als Partnerin kommunaler Transformationsprozesse positionieren kann.

Die Tutzinger Transitions-Tage haben gezeigt: Die Herausforderungen sind groß. Aber die Bereitschaft, sie gemeinsam anzugehen, ist es auch.

Und genau darin liegt die Chance.


 

Jacqueline Heimgärtner und Caroline Hoffmann vor einer Visualisierung zum Thema Kommunen in Transition.
Jacqueline Heimgärtner für den BLVKK und Caroline Hoffmann für die Kreativbehörde Regensburg.
Teilnehmende der Tutzinger Transitions-Tage 2026 diskutieren in einer Arbeitsgruppe über kommunale Transformation.

Gemeinsames Nachdenken über kommunale Transformation bei den 1. Tutzinger Transitions-Tagen 2026.
Blick aus der Akademie für Politische Bildung in Tutzing auf Landschaft und Starnberger See.

Die Akademie für Politische Bildung in Tutzing bot den passenden Rahmen für Austausch, Vernetzung und neue Perspektiven.
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